Philipp Fahrbach sen. (1815-1885)

 

Fahrbach sen

Über ihn schrieb der Wiener Musikhistoriker Alfred Orel: "Er zählte zu den beliebtesten und besten österreichischen Militärkapellmeistern und erwarb sich besondere Verdienste um die Erhaltung und Hebung des Niveaus der Militärkapellen." Dieser profilierte Repräsentant der ersten Generation war, überblickt man kurz seine Biographie, ein Vorläufer Carl Michael Ziehrers. In dem Sinn nämlich, dass auch bei ihm eine harmonische Beziehung und Wechselwirkung zwischen der ärarischen und der Zivilkarriere bestand. Zudem umspannte sein Lebenslauf die Abfolgen zweier Epochen, vom Biedermeier bis zur Hochblüte der Ringstraßenzeit. Ein Kind aus dem Jahr der Unterzeichnung des Wiener Kongresses, 1815 (25. Oktober), wurde er von seinem getreuen Bruder Joseph im Flötenspiel unterwiesen, auch Lanner trug zu Fahrbachs Ausbildung bei. Bei Johann Strauß sen. begann dieser als Flötist, später wurden die beiden Freunde, natürlich, wie bei ihrem künstlerischen Verhältnis zueinander kaum zu vermeiden, nicht ganz ohne Reibungsflächen, was das Werben um die Publikumsgunst betraf. Mit zwanzig Jahren schon, 1835, gründete Fahrbach seine eigene Kapelle, und bereits als Dreiundzwanzigjähriger durfte er, wenn Strauß im Ausland konzertierte, die Hof- und Kammerballmusik leiten - "obwohl er Protestant war"! 1841 ging er als Kapellmeister zum IR4, hatte sich aber eine gewisse Freizügigkeit ausbedungen, die ihm erlaubte, nebenbei der Musik des zum Wiener Bürgermilitär gehörenden Korps der bildenden Künstler vorzustehen. Anno 1846 zog er die Uniform aus und betätigte sich wieder als privater Unterhaltungsmusiker. Während der Jahre 1850/56 leitete er abwechselnd mit Johann Strauß Sohn die Tanzmusik bei Hof. Seine zweite militärische Verpflichtung führte ihn als Kapellmeister zu dem in Wien garnisonierenden Linzer IR 14, mit dem er an den Feldzügen 1859 in Italien und 1864 in Schleswig Holstein teilnahm. 1865 trennte er sich endgültig vom Heer und widmete sich fortan erneut dem wienerischen Genre als der älteste, ja letzte noch aus dem echten Biedermeier stammende Meister volkstümlicher Musik. Fast erreichte er den fünfzigsten Jahrestag seines ersten Auftretens. Philipp Fahrbach sen. starb am 31. März 1885 in der Vaterstadt. Er hinterließ Lebenserinnerungen, die 1935 in Buchform erschienen.

 


Übernommen von Reinhard Wieser

 

   
© Militärmusikfreunde