Josef Hellmesberger (1855-1907)

 

Der originelle Mann, durch seine witzigen, pointierten Aussprüche heute noch als altösterreichische Anekdotenfigur bekannt, war während der Brahms-Bruckner Epoche eine der markantesten Erscheinungen im Musikleben der Heimatstadt Wien. Die Anfänge seines Lebensweges (geb. 9. April 1855) bestimmte die Herkunft aus einer jener Musiker-"Dynastien", die ein wienerisches Spezifikum des 19. Jahrhunderts waren. Kaum achtzehnjährig, wurde Hellmesberger Geiger im Hofopernorchester. Zum Militär assentiert, diente er bei der Kapelle des IR 4. Eigene Kapellmeistertätigkeit beim selben Truppenkörper und beim IR 83 gestaltete sich freilich nur episodisch, befähigte ihn aber, später aus persönlicher Einsicht in die Verhältnisse militärmusikalische Fragen kompetent zu beurteilen. Von 1878 an wirkte Hellmesberger zumeist wieder im Verband des Hofopernorchesters, als Kammermusiker von hohen Graden und als prominenter Instrumentallehrer für Violine am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde. Fast schicksalhaft wurde für ihn ein Kapellmeister-Vertrag mit dem Wiener Ringtheater, so erlebte er auch die Brandkatastrophe des Dezember 1881 aus gefährlichster Nähe mit. Der Titel Hofkapellmeister und die Berufung ans Dirigentenpult der Wiener Philharmoniker in der Nachfolge Gustav Maklers waren verdiente Würdigungen des vielseitig gebildeten musikalischen Kopfes und hervorragenden Interpreten. Seine kompositorische Vorliebe galt dem gehaltvollen Leichten Genre, für das er Tanzstücke und Operetten schrieb, Spätblüten der "Goldenen Ära". Dem Verwelken widerstanden manche Ausschnitte aus dem "Veilchenmädel". Auf der Höhe der Reifezeit musste Hellmesberger schon abtreten. Er starb mit 52 Jahren am 26. April 1907 in Wien.

 


Übernommen von Reinhard Wieser

 

   
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