Karl Komzak (1850-1905)

 

Komzak Karl

Er zählte, im gesamten gesehen, gleichsam als ein "erstklassiger Zweiter Geiger" zu den profilierten Musikerpersönlichkeiten der Strauß-Ära und war wohl der prominenteste "Böhmische Musikant" unter den Militärkapellmeistern in der Spätblüte der Donaumonarchie. Seine eigenen Werke bereicherten die Gattung um bleibende Werte, ja ohne die besten Komzak - Märsche wäre auch das Repertoire heutiger österreichischer Blasorchester gar nicht denkbar. Am 8. November 1850 in Prag geboren, im väterlichen Milieu der Militärmusik aufgewachsen, studierte er am Konservatorium der Moldaustadt und ging zunächst als Geiger nach Linz. Einundzwanzigjährig wurde er bereits Kapellmeister des Kärntner IR 7 in dessen damaliger Garnison Innsbruck, ein Posten, der für Komzak auch deshalb wichtig und anregend war, weil er dort mit der alpenländischen Volksmusik in direkte Berührung kam. 1882 gelang ihm der Sprung nach Wien zu dem neu formierten, aus der niederösterreichischen Umgebung der Kaiserresidenz ergänzten IR 84. Komzak, nicht nur ein ausgezeichneter Musiker, sondern in seiner Sphäre auch ein Orchestererzieher von hohen Graden, bildete die Regimentskapelle zu einer der besten der k. u. k. Armee heran und machte sie mit seinem individuellen Eingehen auf junge Begabungen und seinen großen fachlichen wie pädagogischen Fähigkeiten zu einer Pflanzstätte des Nachwuchses. Aus den Vierundachtzigern gingen u. a. Militärkapellmeister der nächsten Generation wie Josef Laßletzberger und Karl Mühlberger hervor. Getreu seinem angestammten Instrument lag Komzak die Streicherbesetzung sehr am Herzen, er brachte es auf den bei einer Regimentskapelle sehr beachtlichen Stand von 14 Primgeigern, so dass er einen Klangkörper zur Verfügung hatte, der mit zivilen Orchestern Wiens in Konkurrenz zu treten vermochte. Als Komponist des Leichten Genres sehr produktiv, schrieb er mehr als 300 Tonstücke, im militärischen Rahmen wurden sein "84er-Regimentsmarsch" und der Erzherzog-Albrecht-Marsch" zu richtigen Zugnummern. Eine Stärke Komzaks waren zudem einfühlende Bearbeitungen und die damals sehr beliebten Potpourris, bei denen er die Melodien nicht, wie sonst häufig üblich, einfach aneinanderreihte, sondern in eine künstlerische Verbindung brachte. In der größeren Form versuchte er sich mit einer volkstümlichen, heiteren, aber nicht bühnenlebensfähigen Oper des Titels "Edelweiß". Beim Wiener Publikum als Musiker wie als sehr sympathischer Mensch äußerst beliebt, verabschiedete sich Komzak 1892 von seiner Kapelle, kam nach kurzer Zäsur 1894 wieder, doch schon ein Jahr später schloss der Mittvierziger wegen seiner geschwächten Gesundheit die ärarische Karriere ab, um künftig als Kurmusikdirektor in Baden bei Wien zu wirken. Dort dirigierte er für viele seiner alten Wiener Zuhörer und die internationale mondäne Society der Badegäste. In jener Zeit entstand eine seiner besten, unverändert bekanntesten Tanzkompositionen, der Walzer "Badner Madeln". Schon früher hatte Komzak des öfteren Konzertreisen unternommen, nun trat er im Sommer 1904 seine größte Fahrt an. Sie führte ihn über den Atlantik bis nach St. Louis zur Weltausstellung, wo er sich als idealer "Botschafter der Wiener Musik" auszeichnete. Von krasser Tragik war das Lebensende dieses liebenswürdigen francisco Josephinischen echten Tonkünstlers: Am 23. April 1905, dem Ostersonntag, sollte eine Badener Chorvereinigung unter Komzaks Leitung auswärts auftreten. Er selbst kam buchstäblich erst in letzter Sekunde auf den Perron und versuchte, in den schon langsam anfahrenden Zug einzusteigen. Dabei glitt er ab und wurde tödlich verletzt.

 


Übernommen von Reinhard Wieser

 

   
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