Andreas Nemetz (1799-1846)

 

Seine eigenen Märsche sind bis auf die bloße Registration einiger Titel verschollen, Bleibendes indes leistete er mit einer kurzen Schlagzeugfigur, die zum Signet österreichischer Marschmusik werden sollte. Nemetz ist jener Musiker, der das "Einschlagen" aufbrachte, das achttaktige markante Einleitungssolo der Kleinen Trommel, in deren Wirbel in den beiden letzten Takten die große Trommel und die Becken einstimmen. Eine Introduktion, die als gattungsprägendes Wesenselement seit rund 140 Jahren jedem Marsch vorausgeht, spontanes Aufhorchen bewirkend, Erwartungen weckend. Das war Nemetzens Beitrag, sechzehn Takte. Der Name des Urhebers dieses rhythmischen Epigramms freilich ging der Nachwelt längst verloren. Dabei war der aus Chalkowitz stammende Mährer mit dem Geburtsdatum des 14. November 1799 während des Biedermeier eine militärmusikalische Zelebrität. Ursprünglich wollte er allerdings vom Dienst bei den Soldaten nichts wissen. Als junger Mann war er Musiklehrer in Ödenburg und Posaunist des Wiener Hofopernorchesters. Im Jahr 1828 wurde er Kapellmeister des IR 19 und gewann als solcher die Wertschätzung des Hofes und des Hofkriegsrates, der ihn anno 1840 beauftragte, einen Manöverierstreich für die Armee festzulegen, aus dem das "Einschlagen" entstand. Ausgeprägte Befähigung zum Systematiker und Pädagogen vollends bewies Nemetz mit seinem 1844 in Wien publizierten Werk "Allgemeine Musikschule für Militär Musik", einem für das Heeresmusikwesen in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts bedeutsamen Dokument, enthält es doch neben Spielanweisungen aller - auch heute nicht mehr gebräuchlicher! Blasinstrumente Originalpartituren von Märschen, Signale und Trommelstreiche. Eine Leistung, die ihrem Autor nicht bloß Würdigungen, sondern auch gehässiges Bemängeln und Plagiatsverdächtigungen seitens mancher Kollegen eintrug. (Wie schon angedeutet: Die Militärkapellmeister mochten im Lauf der Zeit wohl Standesbewußtsein entwickeln, nicht aber immer und überall ein Gefühl der Solidarität, einen Esprit de Corps. Neid, Eitelkeit, Rivalität vergifteten bisweilen die kameradschaftliche Atmosphäre.) Und kurz nach der Edition machte ein Schlaganfall den Mittvierziger völlig aktionsunfähig. Eineinhalb Jahre dämmerte er noch dahin, ehe er am 21. August 1846 in Wien starb. Das war das tragische frühe Ende eines vormärzlichen Österreichers, dem Zeitgenossen nachrühmten, dass sein "Talent sich mit gründlichen und ausführlichen Kenntnissen der musikalischen Kunst vereinte".

 


Übernommen von Reinhard Wieser

 

   
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