Karl Pauspertl von Drachenthal (1897-1963)



Als Komponist gehobener, geschmackvoller und illustrativer Unterhaltungsmusik spezifisch wienerischen Gepräges wurde er via Rundfunk weitesten Hörerkreisen bekannt. Zum Geburtsort Plevlje in Serbien kam er durch mehr oder weniger zufällige Fügungen des Familiengeschicks. Das Datum war der 18. Oktober 1897. Sein Studium an der Wiener Akademie für Musik und darstellende Kunst wurde, wie das so vieler Musiker derselben Generation, weitgehend von dem bedeutenden österreichischen Spätromantiker Franz Schmidt beeinflusst. Neunzehnjährig rückte Pauspertl ein, bis 1918 war er z. Kapellmeister des IR 57. Danach setzte er die Ausbildung fort, u. a. bei Eusebius Mandyczewski, dem hervorragenden Musikgelehrten, einstigen Vertrauten von Meister Brahms und jahrzehntelang tätigen Archivar der Gesellschaft der Musikfreunde. Der eigentliche Berufsweg führte den jungen Mann zum Musiktheater, er wurde Korrepetitor der Wiener Volksoper und der Staatsoper. Erste Talentproben legte er mit Bearbeitungen ab. Stilgerecht revidierte er die Johann-Strauß-Operette "Das Spitzentuch der Königin" und erstellte aus Melodien Carl Michael Ziehrers eine Bühnenfassung unter dem Titel "Die verliebte Eskadron". 1934 trat er selbst die späte Nachfolge Ziehrers an, als letzter "echter" Deutschmeister-Kapellmeister. Bis zum Abschluss der Übergangsphase Bundesheer-Wehrmacht im September 1938 und damit der Angleichung der Militärmusik an das deutsche Muster verblieb er in seiner Funktion. Dann übernahm er die Leitung des neugegründeten Ballorchesters der Stadt Wien.

Begegnungen mit Willi Forst eröffneten Pauspertl noch ein anderes Betätigungsfeld, das seinen Fähigkeiten und Erfahrungen entsprach: die Arbeit für den Film. Neben Willy Schmidt - Gentner, dem Stammkomponisten aus dem Forst-Team, wirkte er bei der musikalischen Gestaltung der Produktionen "Operette" und "Wiener Mädeln" mit, letztere stand, für Pauspertl nun schon fast leitmotivisch, im Zeichen Ziehrers. Außerdem schrieb er während des Zweiten Weltkriegs die Musik zu "Die goldene Fessel", einer Verfilmung von Nestroys "Zerrissenem". Weitere Aufträge dieser Art riefen ihn immer wieder in die Ateliers und in die Tonstudios.

Nach 1945 widmete er sich als Orchesterleiter und Komponist dem Medium Rundfunk und nahm überdies Agenden im Rahmen der Urheber-Interessenvertretung AKM wahr. Am 7. April 1963 starb Pauspertl in Wien. Er war kaum sechsundsechzig Jahre alt geworden.

 


Übernommen von Reinhard Wieser

 

   
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