Joseph Sawerthal (1819-1893)

 

Sawathal Josef

Manche romanhafte Züge im Stil des 19. Jahrhunderts weist das Leben dieses aus Polepp bei Leitmeritz stammenden Mannes auf (geb. 5. November 1819), denn wie so manche andere österreichische Militärmusiker seiner Zeit führten ihn unerwartete Wendungen in die Welt hinaus, doch als einziger diente er zwei zugleich lebenden Kaisern habsburgischen Geblütes. Er zählte noch zu den Militärkapellmeistern des Spätbiedermeier, sein Truppenteil war das IR 53. Sawerthal tat sich nicht schöpferisch mit eigenen Kompositionen hervor, seine Stärke lag vielmehr im Organisatorischen und in seiner profunden Kenntnis musikalischer Belange der k. u. k. Armee, ein Themenkreis, über den er auf Grund persönlicher Beobachtungen Stellungnahmen veröffentlichte. Schon 1846 entrierte er Bestrebungen zur Errichtung eines Pensionsfonds für Militärkapellmeister, womit er konkret einen wichtigen sozialen Aspekt berührte. Anno 1850 wurde er Marinekapellmeister, dadurch ergaben sich für ihn direkte Kontakte zu Erzherzog Ferdinand Maximilian. Dieser berief ihn 1864 als Musikchef in sein neues Kaiserreich Mexiko, wo im Palast von Chapultepec ein Hofstaat nach europäischem Muster gebildet und in Mexico Ciudad ein Theater bespielt wurde. Angesichts der schweren inneren Konflikte war an eine wirkliche künstlerische Entfaltung kaum zu denken. Nach dem Ende des Kaiserdramas ging Sawerthal nach England und trat -für Ausländer eine ganz große Seltenheit! als Bandmaster in die Britische Armee ein. Zuerst diente er beim "Kings Own Regiment", dann bei den "Royal Engineers", der Pioniertruppe. Über 20 Jahre verblieb er in Britannien. Doch schließlich kehrte er aus der Ferne zurück zu den bescheidenen Ursprüngen. Anno 1893 starb er im Heimatort.

 


Übernommen von Reinhard Wieser

 

   
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