Eduard Wagnes (1864-1936)

 

Von den aus der als musizier- und sangesfroh apostrophierten Steiermark stammenden Musikern, die die Uniform eine k. u. k. Militärkapellmeisters trugen, war zweifellos Eduard Wagens der bekannteste. Am 18. März 1864 geboren, entstammte er einer Grazer Musikerfamilie und erhielt in seiner Vaterstadt auch eine gediegene musikalische Ausbildung. An der Musikschule des Musikvereins für Steiermark war Florian Schantl, ein angesehener, universeller Musiker und besonderer Wegbereiter der steirischen Blasmusik im 19. Jahrhundert, sein Lehrer. Neben Musiktheorie erlernte Wagnes bei Schantl das Spiel auf dem Waldhorn, das er in kürzester Zeit meisterhaft beherrschte. Dreizehnjährig wird Wagnes Mitglied des Kurorchesters in St. Radegund, fünfzehnjährig wirkt er bereits als Hornist am Grazer Stadttheater, von wo ihn kein Geringerer als Gustav Mahler an das kgl. Opernhaus in Budapest verpflichten will. Allein Wagnes zieht es vor, als Solohornist im Orchester des k. u. k. Hofballmusikdirektors Eduard Strauß ausgedehnte Europatourneen zu unternehmen. Einer Berufung in das Orchester der Wiener Hofoper stellt sich die Assentierung zum Militärdienst, den er im steirischen Hausregiment IR 27 ableistet, in den Weg. Vierundzwanzigjährig übernimmt der inzwischen in Graz verehelichte Wagnes die ihm angebotene Kapellmeisterstelle im Grazer uniformierten Bürgerkorps und macht rasch auf seine dirigentischen und kompositorischen Fähigkeiten aufmerksam. Nach fünfjährigem Wirken in Graz vertauscht Wagnes den Federhut der Kapellmeisteruniform des Grazer Bürgerkorps mit dem Bosniaken-Fez, um die Leitung der Regimentsmusik des in Banjaluka neu aufgestellten bh IR 2 zu übernehmen. Noch im selben Jahr, am 28. August 1895, zieht Wagnes jedoch mit seiner Regimentsmusik unter den Klängen seines Marsches "Die Bosniaken kommen" wieder in Graz ein. Zwei Jahrzehnte wirkt nun Wagnes an der Spitze der Bosniaken-Musik in der Grazer Garnison, bis der Erste Weltkrieg das Spiel der Militärkapellen in der Donaumonarchie verstummen läßt. Nach Kriegsende übernimmt Wagnes die Leitung der neuerlich ins Leben gerufenen Grazer Garnisonsmusik im Ersten Bundesheer, um sich 1924 schließlich aus dem aktiven Militärdienst gänzlich zurückzuziehen und sich fortan in seinem Landhaus in Gams ob Frauenthal (heute Bad Gams) ausschließlich der Komposition zu widmen. Am 27. März 1936 schließt Wagnes für immer die Augen. Überlebt haben den Militärkapellmeister Wagnes jedoch seine Militärmärsche, namentlich "Die Bosniaken kommen", der "Flitsch-Marsch" oder "Felsenfest fürs Vaterland".

 


Übernommen von Reinhard Wieser

 

   
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