Joseph Franz Wagner (1856-1908)

 

Wagner Franz Josef

In die Reihe jener Musiker, deren große Popularität in einer volkstümlichen Nobilitierung ihren Niederschlag fand, gehört auch Joseph Franz Wagner, dem die Geschichtsschreibung der österreichischen Militärmusik den ehrenvollen Beinamen eines "österreichischen Marschkönigs" verlieh. Und dies nicht von ungefähr: Dominiert doch in J. F. Wagners kompositorischem (Euvre-wie bei einem k. u. k. Militärkapellmeister seines Formats nicht anders zu erwarten - der Marsch. Von insgesamt mehr als 400 Kompositionen entfällt etwa die Hälfte auf dieses musikalische Genre. Titel wie "Unter dem Doppeladler" (op. 159), "Schwert Österreichs" (op. 301), "Tiroler Holzhacker Buam" (op. 356), der "47er-Regimentsmarsch" u. a. sind jedem Freund österreichischer Marschmusik geläufig. Sie alle zeichnen sich durch tänzerischen Schwung, melodische Originalität, Eleganz der musikalischen Thematik und durch eine seriöse Akkuratesse der Ausarbeitung aus. Wagners Erfolgsmärsche, in ansehnlichen Auflagenhöhen verbreitet, brachten nicht selten den Verlegern gigantische Gewinne, von denen für den Komponisten jedoch nichts abfiel. J. F. Wagner wurde am 20. März 1856 als Sohn des kunstsinnigen Wiener Arztes Joseph Wagner in Wien-Lerchenfeld geboren. Hier erhielt auch der Knabe, dessen Musikalität und ausgezeichnete Sopranstimme bei zahlreichen kirchenmusikalischen Anlässen aufgefallen war, durch den Regenschori Krumecker den ersten elementaren Musikunterricht. Nach seiner im niederösterreichischen Benediktinerstift Seitenstätten absolvierten Gymnasialzeit erhielt Wagner bei dem nachmaligen Dozenten am k. u. k. Militärinstitut in Kaschau und Lehrer C. M. Ziehrers, Prof. Johann Emerich Hasel, eine profunde musikalische Ausbildung in den Fächern Harmonielehre, Formenlehre, Kontrapunkt und Instrumentation. 1878 wurde der Zweiundzwanzigjährige vom Inhaber des IR 47, Freiherr von Beck, als Regimentskapellmeister nach Trient berufen. In dieser Stellung in Wien, Marburg a. d. Drau und Graz tätig, erlangte Wagner bald als Komponist wie als Kapellmeister große Popularität und Anerkennung seitens der Fachwelt. Die Musikkapelle des IR 47, für die er neben vielen anderen den beliebten "47er-Regimentsmarsch" komponierte, zählte unter seiner Führung zu den "besten der k. u. k. österreichischen Armee" (Damanski). Die Strahlungsund Anziehungskraft der damaligen Reichshaupt- und Residenzstadt Wien sowie der oftmalige Standortwechsel der Regimentsmusik des IR 47 bewogen Wagner allerdings, 1892 zum IR 49 "Freiherr von Hass" nach St. Pölten bei Wien überzuwechseln. Als Nachfolger des bekannten Militärkapellmeisters Ludwig Schlögel wußte Wagner auch in dieser Position an seine früheren Erfolge anzuknüpfen: Wo immer er mit seiner Musikkapelle konzertierte, ob in Krems, in Brünn oder in Wien, überall brachte man ihm und seinen Musikern frenetische Ovationen dar. Wie aber viele seiner Berufskollegen, von Alphons Czibulka bis Franz Lehär, den bunten Rock des Militärkapellmeisters auszogen, um an der Spitze von eigenen Zivilorchestern weiterhin Furore zu machen oder eine private Komponistenkarriere aufzubauen, so quittierte auch Wagner 1899 den Militärdienst. Nach 21jähriger Militärkapellmeistertätigkeit organisierte Wagner um die Jahrhundertwende ein privates Orchester, mit dem er in verschiedenen Wiener Etablissements an die Öffentlichkeit trat. Die hochgespannten Hoffnungen und Erwartungen, die Wagner in dieses neue Betätigungsfeld gesetzt hatte, sollten sich indes nicht mehr erfüllen. Am 5. Juni 1908 starb J. F. Wagner zweiundfünfzigjährig in Wien.

Das Grab von J. F. Wagner befindet sich am Wiener Zentralfriedhof, Gruppe 35A, Reihe G2,Grab Nr.8. Es wird im neuen Friedhofsführer der Ehrengräber erwähnt.

 


Übernommen von Reinhard Wieser

 

   
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