Carl Michael Ziehrer (1843 - 1922)

 

Ziehrer CM   Ziehrer Denkmal

                                                    Carl Michael Zierer Denkmal

 

Carl Michael Ziehrer, * 2. 5. 1843 Wien, † 14. 11. 1922 , Komponist. 1870-78 Militärkapellmeister; übernahm 1878-85 große Teile der Straußschen Kapelle, die er erst 1903 aufgab, und 1885 die Musikkapelle des Hoch- und Deutschmeister-Regiments, mit der er 1893 bei der Weltausstellung in Chicago große Erfolge feierte. Nach dem endgültigen Übertritt ins Zivil (1893) ging er immer wieder auf Reisen, vor allem durch Deutschland, und konzertierte mit unverändertem Erfolg in der Heimat. Um die Jahrhundertwende leiteten einige seiner Bühnenwerke von der Goldenen zur Silbernen Operetten-Ära über: "Die Landstreicher" (1899), "Der Fremdenführer" (1902), "Der Schätzmeister" (1904) und "Fesche Geister" (1905). Von jenen Zeiten an stand sein Schicksal mit einer merkwürdigen Konsequenz im Zeichen der Ausklänge. Für die Landsleute, die sich voll Stolz die "Neu-Wiener" nannten, verkörperte er, der Zeuge der Makart-Epoche und der Hochblüte der Walzer-Klassik, bereits ein Stück "Alt Wien", und der in diesem Sinn grundkonservative Homo Vindobonensis, der vertraute Gefühlswerte nicht aufgeben will, wandte alle Liebe und Bewunderung, die vordem Johann Strauß, Carl Millöcker und Franz von Suppe gegolten hatten, nun verstärkt dem einen zu, der "noch unter uns weilt". Diese Übertragung der Publikumsgunst und Investitur mit überpersönlichen Traditionen sollte sich später bis zu Robert Stolz fortsetzen. Erste Krankheitssymptome bewogen den Sechziger, sein Pensum etwas einzuschränken, dennoch nahm er 1907 die Berufung zum Leiter des Hofballorchesters an, den offiziellen Titel "k. k. Hofballmusikdirektor" erhielt er erst 1908.Ab ca. 1899 konzentrierte sich Ziehrer auf die Komposition von Operetten, konnte sich jedoch gegen die neue Generation (v. a. F. Lehár) kaum behaupten. Als Tanzmusikkomponist und -kapellmeister war er einer der schärfsten Konkurrenten von J. Strauß Sohn. Nach den Brüdern Johann und Eduard Strauß wurde Ziehrer so zum letzten Träger des roten, silberbestickten Galafracks. Das Finale in dieser Würde war für, ihn eine "Soiree dansante" im Schloß Schönbrunn während des Faschings 1914. Im Ersten Weltkrieg stellte sich der leidende alte Herr in den Dienst der Invalidenfürsorge, war aber auch damit einverstanden, daß seine Popularität für sentimentale Propaganda genutzt wurde. Der Niedergang bis zum Zusammenbruch des Jahres 1918 brachte ihm eine sehr bittere Erkenntnis: Er hatte dank einer dem Ärgsten wiederstehenden Physis seine Zeit längst überlebt. Von Schlaganfällen gezeichnet, vergreist und verarmt, ergriff er im Jänner 1921 noch einmal den Taktstock für einen Tanz der Schatten. Zur Abwendung schlimmster Not war er nun selbst auf Benefizkonzerte jüngerer Kollegen angewiesen. Im Herbst 1922 sollte ein Programm aus Stummfilmszenen, Musiknummern und Diapositiven unter dem Titel "Carl Michael Ziehrer, der letzte Walzerkönig" zumindest einen Abglanz der einstigen Gloriole heraufbeschwören. Der Meister selbst hatte sich dafür filmen lassen. Kurz darauf starb er am 14. November 1922.

In der Praterhauptallee in Wien steht ein Denkmal von Carl Michael Ziehrer in der Nähe des Konstantinhügels, vom akademischen Bildhauer Robert Ullmann, enthüllt am 1. Oktober 1960.

 


Übernommen von Reinhard Wieser

 

   
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