Michael Zimmermann (1833-1907)

 

Zimmermann Michael

In der großen Schar von Militärkapellmeistern des alten Österreich mit ihrem erheblichen Anteil an Tonkünstlern "aus Böhmens Hain und Flur" vertrat er den Volksstamm der Siebenbürger Sachsen. Er war eine der eigenwilligsten Persönlichkeiten seines Standes. 1833 in Bellesdorf geboren, diente er zunächst im 1. Kürassierregiment. Seine Tätigkeit als Kapellmeister des IR 38 anno 1864 war ein kurzes "Gastspiel" weniger Monate, doch der Auftakt zu einer interessanten Laufbahn. Mit der Banda des Egerländer IR 73 repräsentierte er, wie bereits ausführlicher geschildert, die Donaumonarchie bei der Internationalen Militärmusik-Konkurrenz, die am 21. Juli 1867 in Paris stattfand. Gemeinsam mit den Leitern einer preußischen und einer französischen Kapelle errang er den ex aequo vergebenen 1. Preis. Das ihm zugedachte Ritterkreuz der französischen Ehrenlegion durfte er nicht annehmen, laut nomineller Begründung, da er keinen Offiziersrang bekleidete. Diese - wohl nicht einzige - Enttäuschung bewog ihn, in die Zivilkarriere überzuwechseln. Er wurde Direktor des Städtischen Musikkonservatoriums Kronstadt im heimatlichen Siebenbürgen. Doch auch das war lediglich eine Zwischenstation. Abermals schloss er einen Militärkapellmeistervertrag ab, und zwar mit dem niederösterreichischen IR 49. Anno 1870 leistete der Ambitionierte einen Beitrag zur Wiener Beethoven-Feier (100. Geburtstag): Im Volksgarten bei der Hofburg führte er mit seinen Militärmusikern die V. Symphonie auf, immerhin ein schwieriges und, wie den Kritiken zu entnehmen ist, geglücktes Vorhaben. Neuerlich wurde seine Biographie sehr wechselvoll. In den folgenden Jahren wirkte Zimmermann zunächst als Marinekapellmeister in Pola, auf diesem sehr begehrten und attraktiven Posten. Er wäre der befähigte Anwärter für die Position des Direktors des geplanten Armeemusikkonservatoriums gewesen. Statt dessen ging er weitere Verpflichtungen beim Heer ein und leitete die Kapellen der IR 40,14 und 17. Im Jahre 1882 schied der Unruhige endgültig aus und verbrachte sein Alter in Teplitz-Schönau, wo er 1907 starb. Fast wie die Verkörperung einer Novellenfigur seiner Epoche hatte er ein von Problematik und Resignation gezeichnetes altösterreichisches Schicksal. Interpret von Rang, blieb er der Mitwelt indes - anders als viele seiner Kameraden - eigene Kompositionen schuldig.

 


Übernommen von Reinhard Wieser

 

   
© Militärmusikfreunde